«Bern braucht Klarheit, Vernunft und weniger Bürokratie»

    Mit klaren Positionen und einem ausgeprägten Sinn für wirtschaftliche Vernunft gehört Thomas Fuchs zu den profiliertesten Stimmen der SVP im Kanton Bern. Doch was treibt den Berner SVP-Grossrat politisch an? Welche Antworten hat er auf die aktuellen Herausforderungen im Kanton – von steigenden Kosten bis hin zur Standortpolitik? Ein Gespräch über Verantwortung, Prioritäten und die Frage, wie Bern in Zukunft bestehen kann.

    Bild: zVg Thomas Fuchs ist ein passionierter Berner Politiker, der nahe bei den Menschen bleibt und ihre Anliegen ernst nimmt.

    Sie sind Ende März wieder in den Grossen Rat Bern gewählt worden. Was motiviert Sie persönlich in Ihrer politischen Arbeit am meisten?
    Thomas Fuchs: Mich motiviert in erster Linie der direkte Auftrag der Wählerinnen und Wähler. Das Vertrauen, das man erhält, ist keine Selbstverständlichkeit, selbst wenn man politisch nach so vielen aktiven Jahren schon fast zum Inventar gehört. Ich sehe es als Verpflichtung, mich konsequent für die Anliegen der Bevölkerung einzusetzen und ihre Perspektive im politischen Prozess einzubringen. Politik darf sich nicht in abstrakten Diskussionen verlieren – sie muss konkrete Probleme lösen. Gerade auf kantonaler Ebene kann man viel bewirken, wenn man nahe bei den Menschen bleibt und ihre Anliegen ernst nimmt.

    Welche Rückmeldungen aus der Bevölkerung prägen Ihre Arbeit besonders?
    Sehr viele Menschen sprechen mich auf ganz praktische Probleme an: steigende Kosten, Unsicherheiten im öffentlichen Raum oder die zunehmenden Schwierigkeiten im Verkehr. Was ich oft höre, ist ein gewisses Unverständnis darüber, dass offensichtliche Probleme zwar erkannt, aber zu wenig konsequent angegangen werden. Dieses Gefühl nehme ich sehr ernst. Es zeigt, dass die Politik gefordert ist, klarer Prioritäten zu setzen und entschlossener zu handeln. Die Bürokratie muss abgebaut werden, die Abläufe müssen für die Bürger einfacher werden.

    «Ich sehe es als Verpflichtung, mich konsequent für die Anliegen der Bevölkerung einzusetzen und ihre Perspektive im politischen Prozess einzubringen.»

    Gibt es ein Projekt oder Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
    Mir liegt besonders am Herzen, dass der Staat seine Kernaufgaben zuverlässig erfüllt. Dazu gehören Sicherheit, eine funktionierende Infrastruktur und gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Wenn diese Grundlagen stimmen, profitieren alle davon – sowohl die Bevölkerung als auch die Unternehmen. Es darf aber nicht sein, dass die Verwaltung immer grösser und komplizierter wird. Gerade beim Thema Sicherheit spüre ich, dass viele Menschen eine klare Haltung und konsequentes Handeln erwarten, nicht nur Ankündigungen. Wer sein Gastrecht in der Schweiz missbraucht, hat hier nichts mehr zu suchen.

    Welche Themen stehen für Sie aktuell politisch im Vordergrund?
    Im Zentrum stehen für mich derzeit drei Bereiche: Sicherheit, Verkehr und Wirtschaft. Das sind Themen, die den Alltag der Menschen direkt betreffen. Es geht darum, dass sich die Bevölkerung sicher fühlt, dass man sich effizient bewegen kann und dass Arbeitsplätze erhalten bleiben. Diese drei Bereiche hängen eng zusammen und sind entscheidend für die Lebensqualität im Kanton. Kriminalität muss konsequent bestraft werden.

    Wie finden Sie in kontroversen Fragen tragfähige Lösungen?
    Man muss bereit sein, unterschiedliche Positionen anzuhören und ernst zu nehmen. Gleichzeitig braucht es den Mut, eine klare Linie zu vertreten. Am Ende zählt nicht, ob alle vollständig zufrieden sind, sondern ob eine Lösung funktioniert und Mehrheiten findet. Entscheidend ist für mich, dass man sich am konkreten Nutzen für die Bevölkerung orientiert und nicht an rein politischen Überlegungen. Der gesunde Menschenverstand darf nicht verloren gehen.

    «Der gesunde Menschenverstand darf nicht verloren gehen.»

    Welche Anliegen aus den Regionen werden Ihrer Meinung nach zu wenig gehört?
    Oft geht es um Erreichbarkeit, Infrastruktur und wirtschaftliche Perspektiven. Gerade für Menschen ausserhalb der Stadt ist es entscheidend, dass sie mobil bleiben und ihre Region attraktiv bleibt – sowohl zum Leben als auch zum Arbeiten. Diese Anliegen gehen im politischen Diskurs manchmal unter, obwohl sie für den gesamten Kanton von grosser Bedeutung sind. Hier braucht es mehr Ausgewogenheit. Die Stadt Bern ist keine Oase der linken Glückseligkeit.

    Kommen wir zum Verkehr und zur Mobilität: Was sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen im Verkehr rund um die Stadt Bern?
    Die grösste Herausforderung ist die zunehmende Belastung bei gleichzeitig eingeschränkten Kapazitäten. Der Verkehr wird dichter, gleichzeitig werden Strassen teilweise bewusst verknappt oder umgestaltet. Das führt zu Staus, längeren Fahrzeiten und erschwert die Arbeit für das Gewerbe. Ein funktionierender Verkehrsfluss ist aber zentral – nicht nur für die Mobilität, sondern auch für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der gesamten Region. In Bern fahren Busse und Trams alle 3 Minuten, während viele Regionen auf dem Land überhaupt nicht mehr erschlossen sind. Das darf nicht sein.

    Wie können Kanton und Stadt bei grossen Verkehrsprojekten besser zusammenarbeiten?
    Es braucht mehr Zusammenarbeit auf Augenhöhe und weniger ideologische Blockaden. Verkehrsprojekte sollten im Interesse der gesamten Region beurteilt werden, nicht aus einer isolierten Perspektive heraus. Wenn jeder nur seine eigene Sicht verfolgt, kommt man nicht weiter. Hier ist mehr Pragmatismus gefragt, damit Projekte effizient geplant und umgesetzt werden können. Hier erwarte ich von der Stadt mehr Handlungsspielraum.

    Wie beurteilen Sie die aktuelle Sicherheitslage in der Stadt Bern insgesamt?
    Ich denke, man muss die Situation differenziert betrachten, aber es gibt durchaus Entwicklungen, die Anlass zur Sorge geben. Gerade das subjektive Sicherheitsgefühl hat sich bei vielen Menschen verschlechtert. Das sollte man ernst nehmen. Sicherheit ist eine zentrale Aufgabe des Staates, und die Bevölkerung erwartet zu Recht, dass hier klar gehandelt wird. Es darf in Bern keine rechtsfreien Räume geben. Man muss sich zu jeder Zeit sicher in der ganzen Stadt bewegen können.

    In den letzten Jahren kam es bei Demonstrationen in Bern wiederholt zu Ausschreitungen. Wie ordnen Sie diese Entwicklung ein?
    Das Demonstrationsrecht ist ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie. Aber wenn Demonstrationen regelmässig in Gewalt und Sachbeschädigung ausarten, ist eine Grenze überschritten. Hier braucht es klare Regeln und deren konsequente Durchsetzung. Der Rechtsstaat muss in solchen Situationen sichtbar funktionieren, damit das Vertrauen in die Institutionen erhalten bleibt. Wer fremdes Eigentum mutwillig zerstört und Mitglieder von Polizei, Sanität und Feuerwehr angreift gehört zwingend hinter Gitter. Vermummte Chaoten sind konsequent zu verhaften.

    Was zeichnet den Kanton Bern als Wirtschaftsstandort besonders aus?
    Bern bietet eine hohe Lebensqualität, politische Stabilität und gut ausgebildete Fachkräfte. Das sind grosse Pluspunkte. Gleichzeitig stehen wir im Wettbewerb mit anderen Kantonen und Regionen. Deshalb ist es wichtig, diese Stärken aktiv zu sichern und weiterzuentwickeln, indem wir attraktive Rahmenbedingungen erhalten. Wenn man jahrelang auf Baubewilligungen wartet, ist dies nicht mehr zumutbar.

    «Die Stadt Bern ist keine Oase der linken Glückseligkeit»

    Wo sehen Sie aktuell den grössten Handlungsbedarf, um Unternehmen zu entlasten?
    Viele Unternehmen leiden unter einer wachsenden Regulierungsdichte und steigenden Kosten. Das bindet Ressourcen, die eigentlich für Innovation und Wachstum eingesetzt werden könnten. Hier braucht es eine klare Entlastung. Weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen sind entscheidend, damit Unternehmen investieren und langfristig Arbeitsplätze schaffen können.

    Wie kann die Politik Innovation fördern, ohne unnötige Bürokratie zu schaffen?
    Innovation entsteht nicht durch staatliche Vorgaben, sondern durch unternehmerische Freiheit und Eigeninitiative. Die Aufgabe der Politik ist es, dafür gute Voraussetzungen zu schaffen: klare Regeln, Planungssicherheit und möglichst wenig administrative Hürden. Wenn diese Bedingungen stimmen, entsteht Innovation von selbst – und genau das sollte das Ziel sein.

    Interview: Corinne Remund


    Zur Person:

    Die politische Laufbahn des Berner Politikers Thomas Fuchs erstreckt sich über die städtische, kantonale und nationale Ebene. Auf nationaler Ebene gehörte er 2011 dem Nationalrat, der grossen Kammer des eidgenössischen Parlaments, an.

    Bereits zuvor engagierte sich Fuchs in der kantonalen Politik: Von 2002 bis 2018 sowie erneut seit 2022 ist er Mitglied des Grossen Rates des Kantons Bern, dem kantonalen Parlament. Auf kommunaler Ebene war er zudem während mehreren Jahren Mitglied des Berner Stadtrats.

    Darüber hinaus präsidiert er die SVP Stadt Bern sowie die SVP Bümpliz und ist als Geschäftsführer des Bundes der Steuerzahler tätig und Herausgeber der Zeitungen DIE IDEE, Pro Libertate Mitteilungen und PIKOM. Thomas Fuchs ist auch Mitglied des Vorstandes der SVP Schweiz und Mitglied der Justizkommission des Kantons Bern.

    CR

    Mehr über ihn erfährt man unter: www.nein.eu

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